„Alternativlos für die Anbindung kritischer Infrastrukturen“

Die Digi-Talks mit Jörg Brunk.

Heute im Gespräch mit Wolfram Rinner, Geschäftsführer GasLINE,
zum Thema End-2-End-Sicherheit bei LTE450

Das Rückgrat von LTE450 beginnt in … Straelen. Ein Herrenhaus am unteren Niederrhein. Hier befindet sich die Zentrale der GasLINE, einer der größten Backbone-Betreiber Deutschlands. Für das LTE450-Netz wird GasLINE dem Betreiber 450connect die Glasfaser-Infrastruktur zur Anbindung der mehr als 1.600 Funkstandorte zur Verfügung stellen.

Ohne GasLINE gäbe es in vielen Regionen kein Internet oder Mobilfunk; dafür betreibt das Unternehmen ein bundesweites Glasfasernetz von 32.000 km Länge, 3.000 weitere sind bis 2024 im Ausbau. Über 200 Städte – auch im ländlichen Raum – verfügen über eine Anbindung an den Backbone. Die maßgeblichen Telehäuser der Telekommunikationsbranche, zahlreiche Points-of-Presence (PoPs) für Interconnection der Carrier-Netze und die meisten der kommerziellen Rechenzentren sind vom GasLINE-Netz erschlossen. Einer der Geschäftsführer ist Wolfram Rinner, mein heutiger Gesprächspartner, den ich aber nicht in Straelen treffe, sondern per Video-Call in Essen. Hier läuft das operative Geschäft der GasLINE. Trotz der frühen Stunde hat er schon eine erste Trainingseinheit absolviert, der Monitor zeigt: Das macht er öfter.

Herr Rinner – Laufband oder Breitband?

„Am besten beides! Als Infrastrukturanbieter treiben wir seit 25 Jahren gemeinsam mit und für Carrier, Internet Service Provider, Kommunen und Stadtwerken den Breitbandausbau voran. Glasfasernetze und Rechenzentren sind die Basis für die Digitalisierung in Deutschland. Wir sind noch nicht da, wo wir sein sollten, aber haben auch schon viel erreicht. So ist unser Backbone schon vielerorts die Basis für schnelle Internetverbindungen und Remote Work oder flexible Arbeitszeitmodelle mit ausgewogener Work-Life-Balance – in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiges Asset für Unternehmen.“

 

GasLINE wird für den Ausbau des 450MHz-Funknetzes jeden einzelnen Richtfunkstandort über Glasfaser anbinden – ein enormer technischer und baulicher Aufwand. Ist das schon
Overengineering oder eine technische Notwendigkeit?

„Die Frage stellt sich so nicht. Es darf möglichst keinen Medienbruch geben. Daher gibt es zum `Fibre to the Mast´, also zum Glasfaserausbau bis zum Sendemast, einfach keine technische Alternative. Der Aufwand ist hoch, aber Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit haben beim Ausbau absolute Priorität – und beides ist nur bei einem durchgängigen Glasfasernetz uneingeschränkt gegeben.

 

Welche Rolle spielt der GasLINE-Backbone für die End-to-End-Security und Verfügbarkeit von LTE450?

„Als dediziertes und redundantes LWL-Netz bildet der Backbone der GasLINE die Grundlage der hohen Resilienz und Verfügbarkeit von LTE450. Hinzu kommt die physikalische Sicherheit, auf die auch 450connect größten Wert legt. Die Glasfasertrassen der GasLINE liegen gut geschützt vor Baggerschaufeln in Tiefen zwischen 60 cm und 1 m; die Trassen des Kernnetzes verlaufen in den besonders sicheren Schutzstreifen der deutschlandweiten Gashochdruckleitungen und sind somit auch sicher vor externen Einwirkungsversuchen.“

 

Glasfaser neben der Gasleitung, dieses Konzept trägt die Gasline schon im Namen. 1996 wurde das Unternehmen durch zahlreiche Fern- und Regionalgasgesellschaften gegründet, von denen heute noch zehn dem Gesellschafterkreis angehören. GasLINE ist seit über 25 Jahren einer der führenden LWL-Infrastrukturanbietern in Deutschland. Mehr als 225 nationale und internationale Telekommunikationsunternehmen nutzen die „Dark Fibre“, also die passive Leitungsinfrastruktur, um mit eigener aktiver Technik den Netzbetrieb zu übernehmen und Kommunikationslösungen und -produkte für ihre Kunden zu realisieren. Dabei spielen neben der Sicherheit auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle.

 

Die Betreiber kritischer Infrastrukturen stellen besonders hohe Anforderungen an die Sicherheit und Resilienz der Kommunikationsnetze. Für die Netzbetreiber zählen auch wirtschaftliche Aspekte. Wie kann GasLINE als Infrastrukturpartner diese scheinbar widersprüchlichen Ansprüche bedienen? 

„Glasfaser, noch dazu im Schutzstreifen, ist extrem langlebig, zuverlässig und wartungsarm. Sie ist nicht nur aus technischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht für die Anbindung kritischer Infrastrukturen alternativlos. Angesichts der enorm hohen Betriebssicherheit sind Ausfälle praktisch ausgeschlossen, die Entstörzeiten sind bei uns in der Regel minimal. Auf Sicht sind die Total-Cost-of-Ownership für GasLINE schon allein deswegen signifikant geringer als bei jeder anderen Technologie. Bei der Glasfaser bemisst sich die Lebensdauer in Jahrzehnten. Daher fallen die Anfangsinvestitionen weniger ins Gewicht als die Betriebskosten.

 

GasLINE wird 450Connect einen Teil  ihrer bestehenden LWL-Infrastruktur zur Verfügung stellen und regional notwendige Glasfaseranbindungen zu den zentralen Richtfunkstandorten realisieren. Ist der zusätzliche Netzausbau „exklusiv“, oder profitieren auch ländliche Regionen, zum Beispiel durch Mitverlegung anderer Netzbetreiber?

„Wir stehen für einen diskriminierungsfreien Netzzugang und sind zutiefst vom Konzept des Open Access überzeugt. Jedes Unternehmen, das unser Netz nutzen möchte, hat auch die Möglichkeit dazu. Wer eine eigene Infrastruktur betreiben möchte, kann seine Tiefbaukosten im Rahmen unserer Mitverlegungsprojekte erheblich reduzieren. Der 450connect werden aber GasLINE-Fasern exklusiv zur Verfügung stehen, um eine unabhängige Ende-zu-Ende-Lösung, mit maximaler Sicherheit, für ihre Kunden, die kritische Infrastrukturen (KRITIS) betreiben, realisieren zu können.

 

GasLINE hat sich dem Breitbandausbau im Interesse der Digitalisierung Deutschlands und der Unterstützung der Energiewende auf der Infrastrukturseite verschrieben. Welche Rolle spielt für Sie in diesem Zusammenhang LTE450?

„LTE450 ist die Technologie, über die mit relativ wenigen Standorten eine hohe Funkabdeckung für Anwendungen wie Smart Metering, die Steuerung abgelegener Anlagen und natürlich der Betrieb kritischer Infrastrukturen sichergestellt werden kann. Damit ist LTE450 ein wichtiger Baustein für die Digitalisierung der Energiewende. Als Unternehmen, das die Energieversorgung durch unsere Gesellschafter in seiner DNA trägt, sind wir stolz darauf, dazu einen Beitrag leisten zu können.“

 

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